Chronik des Unternehmens Hoevel

 

 Vom Postillion zum Manager

    

 

Ein Blick in die 150-jährige Geschichte des Familienunternehmens Hoevel

 

 

Friedrich Merz, Mitglied des Deutschen Bundestages für den Hochsauerlandkreis und den Kreis Soest. Vorsitzernder der CDU CSU Bundestagsfraktion 

 

 

 

Grußwort  

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

das Autohaus Hoevel feiert am 05. Mai 2002 sein 150-jähriges Bestehen. Dies ist an sich schon bemerkenswert, denn wer im Jahre 1852 für die Fortbewegung der Menschen tätig war, gehörte zu den Pionieren. Das Autohaus Hoevel kann somit voller Stolz auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurückblicken.

 

Heute zeichnet sich die Firma Hoevel vor allem durch ein breites und kundenorientiertes Angebot aus. Ob Neu- oder Gebrauchtwagen, ob Handelsbetriebsnetz oder Reparaturwerkstätten im Sauerland, in Sachsen-Anhalt und in Niedersachsen – überall zeigt sich deutlich, dass das Unternehmen auch heute noch Marktlücken zu erkennen und zu schlieβen weiβ. In den 150 Jahren ihres Bestehens ging somit nichts an Pioniergeist verloren. Meine Damen und Herren, das Autohaus Hoevel lehrt uns, dass Tradition und Moderne keine Gegensätze sind.

 

Den Feierlichkeiten anlässlich ihres Firmenjubiläums wünsche ich einen guten Verlauf und Ihrem Unternehmen auch für die Zukunft alles Gute.

 

 

 

Mit freundlichen Grüβen

 

 
                                             Unterschrift von Friedrich Merz
 
 
 
 Margarete Späte

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

liebe Familie Hoevel,

 

Firmentradition getragen von der Familie, Fachkunde und Erfahrung, Beständigkeit und volles Engagement, Mut und Entscheidungsfreude im Auf und Ab der Zeit sind die Grundfesten auf denen ein Unternehmen wie das Autohaus Hoevel seit 150 Jahren aufgebaut ist.

 

Der Pioniergeist der Väter war es wohl, der Andreas Hoevel vor 10 Jahren nach Zeitz führte. Das Autohaus Hoevel ist heute eines der gröβten der Region mit einem an den Wünschen der Kunden orientierten Service rund ums Auto. Darüber hinaus ist das lichtdurchflutete Haus mit seinen fleiβigen und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gastfreundlicher Veranstaltungsort inmitten der Stadt. Man trifft sich im Autohaus Hoevel – eine Idee des Unternehmers Andreas Hoevel für Zeitz.

 

Ein Auto ist heute aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. In der festen Überzeugung, dass dies auch in Zukunft so sein wird und das die Liebe zum Beruf, der Berufung ist, auch in die nächste Generation weiter getragen wird, gratuliere ich von Herzen zum 150. Firmenjubiläum.

 

IM vergangenem Jahr konnte auch die Bildhauer- und Steinmetzwerkstatt Späte – Kayna das 150-jährige Bestehen feiern und so möchte ich allen wünschen, dass wir die Tradition unserer Vorfahren bewahren, in unserer Zeit miteinander und jeder auf seine Weise das Beste geben, um erfolgreich und neugierig in die Zukunft schauen zu können.

 
   
                                                                                                                          Margarete Späte Unterschrift
 
 
 
Echart von Klaeden
 
,,Ich glaube an das Pferd. Das Auto halte ich für eine vorübergehende Modeerscheinung.“

 

 

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, 

 

unabhängig davon, was man von Kaiser Wilhelm II. halten mag, in diesem Punkt irrte er nachweislich. Den besten Beweis feiern wir heute. Während Pferde nur noch im Freilichtmuseum eine Postkutsche ziehen, hat das Automobil einen Siegeszug um die Weit angetreten, den sich die Autopioniere wahrscheinlich selbst nicht zu erträumen gewagt haben. Benz, Daimler, Packard – wer kennt diese Namen nicht?

Ihrem Erfindungsreichtum haben wir es zu verdanken, dass wir so mobil geworden sind. Dass es uns möglich ist, innerhalb weniger Stunden an einem Ort zu sein, den zu erreichen mit der Postkutsche Tage gedauert hätte. Und dies wesentlich komfortabler als früher, selbst wenn man im Stau steht.

Die Postkutsche, Sie können es sich denken, erwähne ich nicht ohne Grund. Gehört doch das Autohaus Hoevel, dessen 150-jähriges Firmenjubiläum heute gefeiert wird, ebenfalls zu den Pionieren der Automobilgeschichte. Haben doch die Gründer des Unternehmens den Erfolg des Autos begleitet und durch ihr Handeln gefördert. Die Familie Hoevel tut dies auch heute noch. Seit dem 1. 1. 2000 hat sie unter anderem in meinem Wahlhreis Hildesheim eine Niederlassung eröffnet und betreibt diese, soweit ich weiβ, mit groβem Erfolg.

Dass dies auch in den kommenden 150 Jahren so bleiben möge, wünsche ich Ihnen auf diesem Wege von ganzem Herzen. Für Ihren Festtag wünsche ich Ihnen alles Gute, viel Erfolg und Freude.

 

Es grüβt Sie

 Eckart von Klaeden

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 

Ein seltenes Jubiläum begeht die Firmengruppe H. Hoevel in diesen Tagen. Die Familie, die Firma, Angestellte, Geschäftspartner und Kunden feiern das 150-jährige Bestehen des Unternehmens . 150 Jahre – ein Meilenstein in der Geschichte , wenn man bedenkt, dass als Heinrich Hoevel geboren wurde, Beethoven und Goethe noch lebten.  Dass in jener Zeit als die Hoevels auf handwerklichem Gebiet das Laufen lernten, Friedrich Wilhelm der III., König von Preußen, starb und Albert von Sachsen Coburg Gotha seine Cousine Queen Victoria heiratete. 150 Jahre sind ein rasanter Zeitsprung zurück, wenn man bedenkt, dass man in dieser Zeit noch von der ersten Eisenbahn träumte und vier Jahre vor der Firmengründung im März 1848 in Berlin die Revolution tobte.
 
150 Jahre Firma Hoevel sind ein unglaubliches Ereignis, wenn man bedenkt, dass zu Beginn des zweiten Jahrtausends gerade rund um „Auto Hoevel Zeitz“ eine Handvoll Firmen ihr zehnjähriges Bestehen feiert und dass sich Deutschland in einer schweren Konjunkturkrise befindet, einer Zeit , in der statistisch gesehen alle 15 Minuten ein Unternehmen die Insolvenz beantragt und die Arbeitslosenzahlen – entgegen allen politischen Versprechen - stetig steigen.
 
150 Jahre Familien-Unternehmen Hoevel, ein würdiges Datum, um sich auf seine Wurzeln zu besinnen. Nehmen wir dies zum Anlass,  um in der hartumkämpften Marktwirtschaft einen Augenblick innezuhalten, sich zu erinnern, sich zu besinnen und neue Ziele abzustecken.
  
 
Heinrich Hoevel und Maria- Theresia geb. Luiges
         Josef-Maria Hoevel und Elisabeth Henriette geb. Rüther
 
    
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Josef Jüppa Hoevel  und Elisabeth Henriette geb. Rüther    Udo Hoevel und Mariele geb. Kraft
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
2000 übernahme durch Andreas Hoevel
 
 
 Einzelheiten zu den Personen
 

 

Begibt man sich auf das weite Feld der Ahnenforschung, so reichen die Wurzeln der Familie Hoevel bis in das 17. Jahrhundert zurück. Vermutlich hat die Familie in dem  kleinen Dorf Hövel im Hochsauerland ihren Ursprung, dort gibt es bis heute eine alte Schmiede in einem Bauernhof direkt auf dem "Hövel" ( plattdeustch für Hügel ), wo vermutlich alles begann . Bereits 1620 erwähnt das älteste Neheimer Taufbuch (Neheim gehört heute zur Stadt Arnsberg) den Neheimer Bürgermeister Hermann Hoevel. Die Hoevels sind angesehene Waffen- und Wagenschmiede, Weber und Tuchmacher. 1625 siedeln die Hoevels nach Arnsberg über und lassen sich hier gleichfalls als Schmiede und Wagenbauer nieder. Zuerst wohnen sie in der Apostel-, später in der Jägerstraße. Um 1650 wird Johann Wilhelm Hoevel, Sohn von Hermann Hoevel, kurfürstlicher Richter zu Hirschberg und Bürgermeister von Arnsberg. Gleichzeitig heiraten die Hoevels  in den Adel ein, genauer gesagt in die Familie des kurfürstlichen Hofrates Pape.
 
 

 

 Damen in der Kutsche, 1904 Klein Jüppa auf dem Arm rechts

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 
 
 
Foto: Damen in der Kutsche im Hövelschen Garten unterhalb der Wohngebäude, 1904 Klein Jüppa auf dem Arm rechts
 

 

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderte entwickelte Heinrich Hoevel einen Kettenschmiede- und Wagenbaubetrieb aus den schon lange bestehenden handwerklichen Grundlagen in Arnsberg. Zur gleichen Zeit gab es die ersten vertraglichen Bindungen mit der alten  königlich-preußischen Oberpostdirektion Arnsberg. Die Geburtsstunde der heutigen Firmengruppe Hoevel schlug am 18. Mai 1852, als Heinrich Hoevel eine Wagen- und Hufschmiede mit angeschlossenem Handel gründete. „Fabrikatorischer“ Wagenbau für Gewerbe und Post und eine Lizenz als Posthalterei waren die Anfänge. Die in Arnsberg beheimatete Firma befand sich zuerst an der früheren Chausseestraße (heutige Jägerstraße), später in der Prälaturstraße. Heinrich Hoevel baute für die Oberpostdirektion Postwagen und stellte für den Liniendienst der Königlich-preußischen Post  Wagen und Gespanne zur Verfügung.
 

 

1872 wurde Heinrich Hoevel kaiserlich-königlicher Posthalter und übernahm in Arnsberg den Postfuhrbetrieb mit zwölf Pferden und vier Postillionen. Die Posthaltereien in der Prälatur- und später Eichholzstraße entwickelten sich rasant. 1878 standen bereits 16 Pferde in den Hoevelschen Stallungen, 1884 waren es gar 70 Pferde. Vor diesem Hintergrund beginnt 1884 der Neubau in der Eichholzstraße. Jene bürgerliche Villa galt als Musterhaus im Stadtviertel (Eichholz), beherbergte später die Fahrschule Hoevel und befindet sich noch heute im Familienbesitz.

 

Die traditionsreiche Villa in der Eichholzstraße in Arnsberg
 

 

Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens ist 1887 die Eintragung der Firma H. Hoevel in das Handelsregister. Es unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung, die das Familienunternehmen bereits über das Sauerland hinaus erlangt hat. Die Firma verfügte bereits über ein Telefon, das neunte in Arnsberg – davon abgeleitet Telefonnummer 9. Arnsberg war nicht nur wegen seiner zentralen geografischen Lage wirtschaftlich interessant, sondern vor allem auch wegen seines Regierungssitzes. Zahleiche preußische Instanzen und Behörden hatten sich hier niedergelassen und belebten den Postverkehr. Im Jahre 1896 wurde Posthalter Heinrich Hoevel  für seine besonderen Leistungen mit dem preußischen Kronenorden ausgezeichnet.
 

 

Nicht geahnter technischer Fortschritt verdrängte zusehends die Pferdestärken. 1885 fuhr die erste dreirädrige Motorkutsche, die Gottfried Daimler konstruiert hatte. 1886 baute Daimler den von ihm und Maybach entwickelten schnelllaufenden Benzinmotor mit Glührohrzündung in einen vierrädrigen Kutschwagen ein und befuhr die Strecke Stuttgart-Cannstadt. Zur gleichen Zeit eroberte die Eisenbahn das Land. Seit 1870 nutzte die Post den Schienenweg, um Briefe und Pakete in das Sauerland zu befördern. Die technische Entwicklung drängte die Posthalterei um die Jahrhundertwende nach und nach zurück. Und am 1. April 1912 saß Postillion Hubert Mörchen zum letzten Mal hoch oben auf dem gelben Wagen der Posthalterei Hoevel. Er hatte über viele Jahre die preußische Post zwischen Arnsberg und Soest befördert. Angetrieben von zwei „Pferdestärken“ schaukelte ein viersitziger Kutschenwagen zweimal täglich über Land. 

 

 
 
Am 1. April 1912 blies Postillion Hubert Mörchen zur letzten Fahrt mit der Arnsberger Postkutsche. Ganz links im Bild Heinrich Hoevel (mit Hut), Inhaber der Posthalterei Hoevel.
 

 

Das letzte Hornsignal des Postillions Mörchen leitete zugleich eine neue Epoche ein: Das Automobil eroberte das Land. Schon 1912 stand bei Hoevels der erste Benz-Motorwagen auf dem Hof und das erste „Motorenwunder“ konnte getrost die ersten Runden durch das sauerländische Bergland drehen. Der Grundstein für die Geschäftsbeziehung zur späteren Daimler-Benz AG war gelegt.

 

Im ersten Weltkrieg verlor die Firma sämtliche Pferde durch eine Krankheit , die von eingestellten Militärpferden eingeschleppt wurde. Hinzu kam, dass die in patriotischer  Euphorie gezeichneten Kriegsanleihen 1918 wertlos waren. Nach dem Krieg begann der Aufbau einer großzügigen Reparatur-Werkstatt. Die Firma Hoevel verkaufte „alles was Räder hat“: vom Kinderwagen über Fahrräder bis zu Automobilen. 1925 stand der erste amerikanische „Pontiac“ auf dem Hof. Aus dem vormaligen Schmiedebetrieb entwickelte sich ein moderner Kraftfahrzeug-Handel mit Reparatur-Werkstatt. Ein weiteres Standbein blieb die Hauderei (Mietwagenbetrieb), dessen Hauptkundschaft nach wie vor die ortsansässigen Behörden waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Fuhrunternehmen von Hoevel Mercedes-Lkw, macheten in den 30er Jahren rund 50% des Umsatzes aus

 

 
Nach einem Maschinenbaustudium übernahm am 1. April 1927 Josef Hoevel  von seinem erkrankten Vater die Firma. Im gleichen Jahr heiratete er seine Frau Maria, die sich von nun an um die kaufmännischen Belange des Familienunternehmens kümmerte. Am 1. August 1927 unterzeichnet die Firma Hoevel den ersten Händler-Vertrag mit der Auto-Union  AG  Chemnitz, der heutigen Volkswagen-Audi-Gruppe. Ab 1928 werden Zweiräder und Pkw der Bayerischen Motorenwerke (BMW) verkauft. Neben diesen beiden großen Marken führt Hoevel ebenso Fabrikate von Adler, NSU und Stoewer.  

 

Auf der Internationalen Automobilausstellung in Berlin 1936 präsentierte Mercedes-Benz den weltweit ersten Diesel-Pkw 260D und den Mittelklassewagen 170V. Dies war ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Automobiles und hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Geschichte der Firma Hoevel. Auf dieser neuen Geschäftsgrundlage konnten die bereits bestehenden vertraglichen Beziehungen mit Mercedes-Benz entscheidend erweitert werden. Die Pferdekutsche wurde immer mehr aus dem alltäglichen Straßenbild zurückgedrängt und allmählich setzten sich die motorisierten Pferdestärken durch. Von dieser Zeit an gehörte ein breites Spektrum von Pkw und Nutzfahrzeugen mit dem silbernen Stern zum Angebot der Firma Hoevel. Bereits 1936 machten Nutzfahrzeuge wie beispielsweise Omnibusse, Feuerwehren und Kommunalfahrzeuge gut 50 Prozent des Umsatzes aus. Bis zum zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Firma Hoevel zu einem Unternehmen, dessen wirtschaftliche Bedeutung im Kfz-Bereich weit über das Sauerland hinaus reichte.   
 

 

Ab 1939 musste sich das Unternehmen auf die Kriegswirtschaft umstellen. Josef Hoevel wurde für die Leitung des Betriebes unabkömmlich gestellt. Das mittelständische Unternehmen war ein Rüstungsbetrieb im Fahrzeugbereich. Die angestrebte Autarkie der Kriegswirtschaft des dritten Reiches und die Knappheit an Rohstoffen im Krieg brachte die Umstellung der Fahrzeuge auf Festkraftstoffe (Holzvergaser) in die Hoevelschen Werkstätten. Im Bombenhagel vom März 1945 wurde die Betriebsstätte in der Eichholzstraße völlig zerstört. Der Betrieb musste noch kurz vor Kriegsende in den ländlichen Bereich ausgelagert werden.
 
 

 

Foto vorhanden in A3-Format – plus Dokument Totalzerstörung

 

 Im Herbst 1945 nahm Josef Hoevel die betriebliche Tätigkeit wieder auf. Unter Hoheit der Alliierten wurden deutsche Militärfahrzeuge aus den umliegenden Fluren und Wäldern zusammengekarrt. In der von den Amerikanern für Hoevel beschlagnahmten Halle der „Feldmühle Papierfabrik“ Arnsberg (Hellefelder Straße) wurden diese Wehrmachtfahrzeuge repariert und zu lebenswichtigen Versorgungsfahrzeugen umgerüstet. „Jeden Nachmittag fuhren wir über Land, bauten aus liegen gebliebenen Fahrzeugen sämtliche noch verwertbare Ersatzteile aus. Schätzungsweise 200 Maybach-Panzer-Motoren wandelten wir zu Stromaggregaten um“, erinnerte sich Udo Hoevel an diese Zeit. Als gerade 14-Jähriger machte er 1945 seinen Führerschein für Pkw und leichte Lkw.

 

 

Ein Jahr später wurde das Areal in der Eichholzstraße von der englischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. „Innerhalb von 48 Stunden mussten wir das Gelände räumen. Wir konnten wirklich nur das Nötigste packen. Wertvolle Bestände, Maschinen und Material wurden zusammen mit den Trümmern des schrecklichen Bombenangriffes  von den Engländern plattgewalzt“, berichtete Udo Hoevel mehr als 50 Jahre später. Die Familie fand in einem Wohnhaus - es gehörte zum Familienbesitz - in der preußischen Königsstraße Zuflucht und wagte hier wenig später einen Neuanfang. Das Wohnzimmer verwandelte sich zum Büro, auch der Verkaufsbereich und die kaufmännische Leitung wurden von hier aus organisiert. In der Garage wurden Zweiradfahrzeuge verkauft. Im Jahr 1949 standen die ersten neuen Nutzfahrzeuge auf dem Hof. Wiederaufbau und Expansion gingen zügig voran.
 

 

Mit Hilfe des Öl-Multis „Deutsche Schell AG“ wagte die Firma Hovel 195l einen baulichen Neuanfang. Ein besonders „guter Stern“ leuchtete der Familie Hoevel im Jahre 1952 am Himmel. Josef Hoevel lenkte die Geschicke des Unternehmens und pünktlich zum 100-jährigen Bestehen der Firma wurde eine moderne Großtankstelle an der Ecke Ruhr-/Grimmestrasse  eingeweiht. Mit unternehmerischen Weitblick hatte man sich bewusst für diesen Standort, den Knoten der beiden Bundsstraßen B 7 und B 229 entschieden und verfügte somit gleichfalls über ein strategisch günstige gelegenes Gelände für den weiteren   Betriebsneubau. 

 

Tankstelle - abfotografieren von der alten Zeichnung
 

 

 

 

 

 

Noch im Jubiläumsjahr wurde eine neue Halle mit Büro bezogen. Diese Halle erregte vor allem wegen ihrer modernen Architektur Aufsehen im Sauerland, war sie doch als eine der ersten Hallen in selbsttragender Stahlbeton-Bauweise errichtet worden. Auf dem alten traditionsreichen Gelände in der Eichholzstraße – es wurde von der zuletzt belgischen Besatzungsmacht wieder frei gegeben – entstand die Lackiererei und die Fahrschule unter Heinrich Hoevel. Ebenfalls in den 50er Jahren entstand eine zweite Shell-Tankstelle in der Hellefelder Straße.

 

 

 

Renommierte Marken, allen voran Mercedes-Benz und Auto-Union waren wieder in der Lage Neufahrzeuge zu produzieren und zu liefern. Genügend Gründe zum Feiern: Das 100-jährige Firmenjubiläum wurde ein großes Fest. Telegramme und Glückwunschschreiben von Regierungspräsident, Bürgermeister und Landrat, von Institutionen und Verbänden, von Vertragspartnern und Geschäftsfreunden belegen dies eindrucksvoll und sind in der Firmenchronik verewigt.
 

 

Zwei Jahre später eröffnete der Zweigbetrieb in Meschede, dessen Leitung Jüppas zweiter Sohn Klaus Hoevel übernimmt. Der Bau der großen Henne-Talsperre bringt wirtschaftliches Auf und Nieder. Gut 60 Lastwagen wurden in kürzester Zeit verkauft. Doch der nach Abwahl der Landesregierung NRW plötzlich verhängte Baustopp bringt Fuhrunternehmer in Zahlungsschwierigkeiten, die nicht ohne Folge für das Unternehmen Hoevel bleiben.
 

 

Nach einem schweren Unfall von Klaus Hoevel brach sein Bruder Udo Hoevel 1956 das Volkswirtschafts-Studium ab und trat der Geschäftsleitung bei. Er übernahm alleinverantwortlich den Verkaufsbereich als die Frontposition im Unternehmen. Udo Hovel brachte vor allem sein käufmännisches Geschick ein und nutzte  die über Jahre aufgebauten Verbindungen und Aktivitäten , die verknüpft mit der Zeit des sogenannten „Wirtschaftswunders“ das Unternehmen zu der im Sauerland bedeutendsten Kfz-Adresse werden lassen.
 

 

Ein halbes Jahrhundert stand Josef „Jüppa“ Hoevel an der Spitze des Familienbetriebes und führte gemeinsam mit seinem Sohn Udo das mittelständische Unternehmen zur wirtschaftlichen Blüte. 1976 erreichte der Jahresumsatz die 25-Millionen-Mark-Grenze. Rund 1000 Fahrzeuge – Pkw, Lkw und Busse – der Marken Mercedes-Benz, VW, Audi-NSU und Gebrauchtwagen wurden jährlich verkauft. Die drei Auto-Hoevel-Betriebe in Alt-Arnsberg, Meschede und Sundern verfügten über gut 30.000 Quadratmeter Gewerbefläche. Zum Unternehmen beschäftigte in dieser Zeit 134 Mitarbeiter und 33 Auszubildende (davon 24 im Kfz-Handwerk). 
 

 

Nicht aufzuzählen sind die vielen Auszeichnungen, die ihm für seine Verdienste um das wirtschaftliche Leben im Sauerland verliehen wurden. Für 37 Jahre Vorsitz im Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) Arnsberg erhielt er vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz am Bande. Viele Jahre war er in maßgeblichen Gremien der IHK südöstliches Westfalen und gehörte zum Vorstand des Kfz-Handels in NRW. Doch in Josef Hoevels Herz brannte auch eine große Leidenschaft für den Fußball. Vielen Sauerländern ist „Jüppa“ als großer Gönner und Förderer des Arnsberger Fußballvereines 09 bekannt. Hier bekleidete er ebenfalls zahlreiche Ämter vom Vorsitzenden der Fußballspruchkammer Westfalens bis hin zum Vorsitzenden des Kreissportbundes. Doch nicht nur in Arnsberg fand man ihn regelmäßig auf dem Fußballplatz. Er war gern gesehener Gast bei den Königsblauen Schalkern oder der Borussia Dortmund, saß bei so manchem Länderspiel der Deutschen Nationalelf auf der Zuschauertribüne. 
 

 

Bis ins hohe Alter blieb „Jüppa“ Hoevel der Motor des Familienunternehmens. Unter seiner Federführung entstand 1965 der nagelneue Zweigbetrieb in der heutigen Kreisstadt Meschede. Auf einer Fläche von gut 10.000 Quadratmetern funkelten von nun an die Mercedes-Sterne. Ein Jahr später übernahm Udo Hoevel die Geschäftsführung, Vater „Jüppa“ zog von nun an als Gesellschafter die Fäden im Hintergrund. In den 70er Jahren expandierte das Unternehmen, so entstand 1971 am Stammsitz Arnsberg ein großzügiger Neubau für Werkstatt, Lager und Verwaltung. Ein Ergänzungsbau mit modernen Leistungsprüfstand folgte. Fünf Jahre später wurde der Zweigbetrieb in Sundern eröffnet.
 

 

Die Veränderungen in der rasant wachsenden Automobil-Branche wirkten sich unmittelbar auf die Firma Hoevel aus. So wurde 1975 das Geschäftsfeld nach der Fusion von Auto-Union und VW um den Volkswagen-Bereich erweitert. Bereits nach fünf Jahren wurde der V.A.G.-Bereich verselbständigt und ein weiteres Jahr später in Arnsberg eine VW/Audi-Halle eröffnet. 1983 folgt der Neubau eines VW-Audi-Betriebes in Meschede, genauer gesagt in Nachbarschaft zur bereits bestehenden Mercedes-Halle im Gewerbegebiet „Schwarzer Bruch“ – unter Einheimischen die „Automeile“ genannt. Doch auch dem Stern hielt die Firma Hoevel seit 1912 unverändert die Treue und baute 1983 eine neue Mercedes-Benz-Niederlassung in Schmallenberg. Nahezu zeitgleich wurden auch die Hoevelschen Mercedes-Benz-Vertretungen in Arnsberg und Meschede erweitert.

 

 

Eine neue Epoche leitet die Wiedervereinigung Deutschlands ein. Nach dem Mauerfall am    9. November 1989 zögerten die Hoevels nicht lange und suchten im ehemaligen „Osten“ eine neue wirtschaftliche Herausforderung.  Junggeselle Andreas Hoevel – Sohn von Udo Hoevel –  war dafür der richtige Mann. Im elterlichen Autohaus „aufgewachsen“ , lernte er das Kfz-Handwerk von der Pike auf und hatte 1986 nicht nur seinen Meisterbrief als Kfz-Schlosser, sondern auch den Diplom-Kaufmann in der Tasche, denn parallel zur technischen Ausbildung studierte er an der Universität Münster Betriebswirtschaft, konzentrierte sich hier neben den kaufmännischen Grundlagen vor allem auf den Bereich „Marketing“. Bis zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung verkaufte er im Zuge seine praktischen Ausbildung Bei Mercedes-Bielefeld Transporter und wagte nach der politischen und wirtschaftlichen Wende einen Neuanfang. Im Hoevelschen Familienrat standen Städte wie Dresden, Leipzig, Altenburg, Weimar, Apolda als Standorte für ein neues Autohaus zur Auswahl. Die Entscheidung fiel auf Zeitz, eine einst blühende Industriestadt im Dreiländereck Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. „Die Stadt gefiel mir auf Anhieb, von der Größe her war sie mit meiner Heimatstadt Arnsberg vergleichbar und wirtschaftlich spekulierte ich auf die gute Lage im Einzugsbereich von Halle und Leipzig“, erinnerte sich Andreas Hoevel an die Beweggründe.
 

 

Hoevels erwarben Grundstücke der Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) „Elsterflor“ und eröffneten auf dem Gelände der alten Gärtnerei am 10. April 1992 eine VW-Audi-Niederlassung. Am 1. Oktober 1995 wurde dann ein Neubau aus Glas, Stahl und Beton eröffnet. Während sich im Zeitzer Betrieb ein wirtschaftlicher Aufschwung vollzog, strukturierte Ende der 90er Jahre Mercedes-Benz sein Händlernetz um. Die Zahl der Niederlassungen schrumpfte deutschlandweit von 270 auf unter 100. Hoevel schloss eine Fusion mit dem Gebietsnachbarn aus und verkaufte am 31. Dezember 1999 die Mercedes-Benz Vertretungen in Arnsberg, Meschede und Schmallenberg. Zum gleichen Zeitpunkt schied Udo Hoevel im Alter von 70 Jahren aus der Unternehmensführung aus und übergab den Familienbetrieb seinem Sohn – der nun fünften Generation. Nach einem kurzen Vertrag mit Seat betreibt Hoevel in Arnsberg einen Gebrauchtwagenhandel, dafür aber in Meschede und Zeitz eine VW-Audi-Niederlassung. Die Stadt im Süden Sachsen-Anhalts entwickelte sich zur Schaltzentrale des traditionsreichen Familienunternehmens, welches heute in drei Bundesländern zu Hause ist. 

 

   
 Hoevels Autohauses in Arnsberg, Meschede, Hildesheim und Zeitz

 

 Mit 15.000 Quadratmetern Grundfläche verfügt Hoevel in Mitteldeutschland nicht nur über das größte Autohaus der Region, sondern übernimmt in Zeitz dank einer klugen Marketing-Strategie zunehmend auch die Rolle einer Stadthalle. Was mit Auftritten von Schlagersängern – darunter auch seine Schwester Stefanie - begann, reicht heute bis zu regelmäßig wieder kehrenden Großereignissen wie beispielsweise Hochzeitsbällen, Berufsinformationsmessen und Seifenkistenrennen, Theateraufführungen, Ballett- und Kabarett-Abenden, Benefizveranstaltungen, Politiker-Talk-Runden, Empfängen und Bällen. „Als Unternehmer einer neuen Generation bin ich mir sozialer Aufgaben durchaus bewusst, und möchte in dieser Form etwas für das gesellschaftliche Leben in dieser Stadt tun. Schließlich ist mir Zeitz in den vergangenen zehn Jahren ans Herz gewachsen“, sagte Andreas Hoevel. 

 

Im vergangenen Jahr stellte er sich einer neuen unternehmerischen Herausforderung und erwarb eine BMW-Niederlassung in Hildesheim. Nach dem Konkurs des ortsansässigen BMW-Händlers am 14. Dezember 2000 eröffnete am 17. April 2001 das neue Autohaus unter Hoevelscher Firmenflagge. Senior-Chef Udo Hoevel stellte hier – ebenso wie zuvor in Zeitz – Startkapital zur Verfügung und Hoevel erhielt einen Exklusivvertrag mit BMW und Mini-Cooper. Das Geschäft im Harzvorland lief sehr gut an. Im ersten Jahr wurde mit 65 Beschäftigten unter Leitung von Dirk Böttger ein Umsatz von rund 40 Millionen Mark erzielt.  Hoevel Hildesheim entwickelte sich außerdem in dieser kurzen Zeit zum dritt größten BMW-Dienstwagen-Abnehmer Deutschlands.
 
Nach der Jahrtausendwende weisen die Bilanzen des gesamten Familienunternehmens Unternehmens einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro mit 170 Mitarbeitern aus. Etwa 3.500 Autos werden jährlich verkauft. Im 150ten Jahr des Bestehens hegt Firmenchef Andreas Hoevel  neue Visionen. Längst verkauft er deutsche Autos auf der britischen Insel und streckt seine Fühler nach Osteuropa aus. 
 

Viel ist gesagt über Traditionen. Doch Traditionen sind nichts wert , wenn sie nicht mit Leben und Visionen erfüllt sind, mit Träumen von der Zukunft.  Vom „Postillion zum Manager“ war es ein großer Schritt in der Hoevelschen Geschichte. Ein Schritt, den sich Hubert Mörchen auf seinem Kutschbock zur letzten Fahrt nicht hätte träumen lassen. Sicher hätte auch Posthalter Heinrich Hoevel am Ende seiner Ära viel darum gegeben auch nur ein Jahrhundert  in die Zukunft schauen zu können. Leider ist dies bis heute keinem Menschen vergönnt. Doch ein Wunsch bleibt zu diesem denkwürdigem Festtag offen: welches Gefährt auch immer in die Zukunft fahren wird, ob mit Wasserstoff oder mit Sonnenenergie, mit Rädern, auf magnetischen Feldern oder auf in den Sternen stehenden Erfindungen, möge der Name Hoevel künftig immer einen guten Platz finden und ein weiteres Kapitel in der 150-jährigen Firmengeschichte folgen.
 

Im Oktober des Jahres 2009 begannen wir nach einer einjährigen Entwicklungsphase mit einem Online-Shop für den Verkauf von Original-BMW-Ersatzteilen, der sich mittlerweile zu einer Plattform www.online-teile.com mit mehr als 50 Fabrikaten und den dahinterstehenden Partnern entwickelt hat. 400.000 Besucher pro Monat und ein Jahresumsatz in mehrfacher Millionenhöhe haben uns bestärkt, vor 3 Jahren eine gleiche Plattform in England unter www.online-parts.co.uk und in diesem Jahr 2018 in Mexico unter www.refacciones-online.com.mx zu eröffnen. Somit sind wir die weltweit drittgrößte Online-Plattform für den Verkauf von Fahrzeug-Originalersatzteilen. Auch für Frankreich und Italien haben wir schon Partner gefunden, danach folgt Spanien. Und immer noch betreibt die mittlerweile 166 Jahre alte H. Hoevel Kraftfahrzeuge in der 5. Generation dieses Geschäft mit der Mobilität, ohne seine unternehmerische Selbstständigkeit in irgendwelchen Zwangsfusionen verloren zu haben. Weltweit sind ca. 32 Menschen mit dem Betrieb der Plattformen beschäftigt.